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Auszug aus WZ vom 24. September 2020 von Rolf Hillmann

Büttinghaus fordert Klingbeil heraus.

CDU schickt Polizeibeamten aus Bispingen
im Kampf um das Direktmandat bei der Bundestagswahl 2021 ins Rennen

BAD FALLINGBOSTEL. Ab sofort hat im Bundestagswahlkreis 35 Rotenburg-Heidekreis der Wahlkampf begonnen. Zwar sind es noch knapp zwölf Monate bis zum Urnengang auf Bundesebene, doch seit Mittwochabend steht fest, wer sich als aussichtsreichste Bewerber um das Direktmandat streiten werden. Auf SPD-Seite ist es der amtierende Abgeordnete und Generalsekretär seiner Partei, Lars  Klingbeil. Doch wen die CDU ins Rennen schicken wird, das war lange unklar, bis sich mit der Scheeßelerin Marsha Weseloh und dem Bispinger Carsten Büttinghaus zwei Kandidaten zur Verfügung stellten, die schon in den vergangenen Monaten durch die Kommunen und Ortsverbände gereist waren. Ernst wurde es für Weseloh und Büttinghaus am Mittwoch, als die beiden Kreisverbände der CDU, Rotenburg und Heidekreis, zu einer Urwahl in die Heidmarkhalle in Bad Fallingbostel geladen hatten.

Auch Reinhard Grindel ließ sich blicken

Wie alles in diesem Jahr, so fand auch diese Veranstaltung unter den strengen Pandemie-Bedingungen statt. Rund 200 Parteimitglieder hatten sich verbindlich
angemeldet und waren gekommen, um die Kandidatin oder den Kandidaten für den Bundestag zu wählen. Am Ende fiel das Ergebnis deutlich aus: Erstmals seit vielen Jahren stellt der CDU-Kreisverband Heidekreis mit Carsten Büttinghaus einen Kandidaten, nachdem in den zurückliegenden Jahrzehnten mit Heinz-Günter  Bargfrede und Reinhard Grindel die Kandidaten und späteren Abgeordneten aus dem Kreisverband Rotenburg stammten.
Pandemie hin, Corona her: Wie immer bei solchen Anlässen ließen es sich die Parteigranden nicht nehmen, noch einmal in die Öffentlichkeit zu treten. Und so sah man im weiten Rund der Heidmarkhalle ehemalige Parteigrößen wie die früheren Landtagsabgeordneten Karl-Dieter Oestmann und Gustav Isernhagen. Aber auch der Mann war nach Bad Fallingbostel gekommen, mit dem die Partei in diesem Wahlkreis die größten Erfolge feierte: Reinhard Grindel. Er saß in der ersten Reihe, trat aber nicht weiter in Erscheinung. Um ihn hatte es zuletzt Gerüchte gegeben, er wolle wieder in die Politik einsteigen. Gegenüber einer in Rotenburg erscheinenden Zeitung stellte er aber klar, dass er das nicht vorhabe.

Lars Klingbeil hat guten Grund, sich bestens auf die kommenden
zwölf Monate vorzubereiten, denn ich werde dies gewissenhaft tun.

Carsten Büttinghaus

Carsten Büttinghaus wird von der CDU in den Bundestagswahlkampf geschickt. Mitbewerberin Marsha Weseloh unterlag bei der Urwahl am Mittwoch in der Heidmarkhalle.

Und so richtete sich die Konzentration schnell auf die Gegenwart und nicht auf die Vergangenheit. Mit dem 38- jährigen Polizeibeamten Büttinghaus und der 31-jährigen Bankkauffrau und Betriebswirtin Weseloh standen zwei respektable Kandidaten zur Verfügung, die auch beide – wie sich bei ihren Vorstellungen herausstellte – eine gute politische Figur abgaben. Dass es am Ende doch mit fast doppelt so vielen Stimmen der männliche Bewerber wurde, mag an seinem persönlichen Profil und seinem Auftritt, vielleicht aber auch am Selbstverständnis der Partei gelegen haben. Im Zweifelsfall scheint man in der CDU forschen  Männern größeren Erfolg zuzutrauen als Frauen, die nicht ganz so „wertkonservativ“ auftreten. So erntete Büttinghaus beispielsweise den stärksten Szenenapplaus, als er im Zusammenhang mit Sicherheits- und Innenpolitik ins Publikum rief: „Sozialisation in Subkulturen gilt es zu begegnen. Wir waren zu lange denen gegenüber tolerant, die uns gegenüber nicht tolerant sein wollen.“
Ansonsten hörten die Parteimitglieder von beiden Kandidaten Reden mit ähnlichen Inhalten und Schwerpunkten, Landwirtschaft gelte es genauso zu stärken und zu stützen wie den Mittelstand. Klima- und Umweltschutz müsse mit und nicht gegen die Landwirtschaft betrieben werden. Die CDU weiß eben, wo ihre Wähler zu finden sind. In Fragen der Bildung müssten Bildungseinrichtungen dringend  modernisiert und wegweisend gestalten werden. Die  Herausforderungen der aktuellen Krise, aber auch die Megatrends dieser Zeit erforderten Willensstärke und Gestaltungskraft: Digitalisierung, internationale Konkurrenz, Klimawandel, Pandemievorsorge und der Wandel der Gesellschaft seien klar als Aufgabenfelder zu benennen. Überrascht war darüber aber in Wirklichkeit niemand. Ganz abgesehen davon, dass es auch schwierig ist, Defizite darzustellen, wenn die eigene Partei seit 16 Jahren ununterbrochen in der Regierung ist.
Gerne hörten die Parteimitglieder – und auch das gehört zur Politik –, wenn der politische Gegner direkt angesprochen wurde: „Lars Klingbeil hat guten Grund,
sich bestens auf die kommenden zwölf Monate vorzubereiten, denn ich, liebe Freunde, werde dies gewissenhaft tun“, forderte Büttinghaus den amtierenden
Abgeordneten heraus. Und auch Marsha Weseloh nahm Klingbeil ins Visier, als sie meinte: „Seine Karriere und sein Posten werden ihn im nächsten fordern. Er ist nicht zu beneiden, für eine solche Partei einen bundesweiten Wahlkampf organisieren zu müssen.“ Überhaupt wirkte die Kandidatin eine Spur natürlicher, besonders wenn sie ehrlich und persönlich wurde – zum Beispiel als sie mitteilte, einen Landwirt geheiratet und „schon tief in der Gülle gestanden“ zu haben. Oder als sie zugab, aus verschiedenen Gründen an diesem Abend aufgeregt zu sein.
Am Ende gaben 125 Parteimitglieder Carsten Büttinghaus ihre Stimme, 67 Marsha Weseloh. Beide Kandidaten erhielten aber dennoch starken Applaus, der
eine als Gratulation zur Wahl, die andere als Dank für ihre Kandidatur.

Herzlichen Glückwunsch von der Frauen Union Heidekreis! Carsten Büttinghaus unser Kandidat für den Wahlkreis 35!
Wahlkampf, wir sind dabei! Hoch motiviert!
 

v.r. Viivii An, Marietta Hemmerle, Carsten Büttinghaus, Sabine Jung und Susanne Stampf